Die Einrichtung

Das Döllingerhaus dient als Wohnheim für Studierende, die an der Universität Bonn eingeschrieben sind. Es gehört der Alt-Katholischen Kirche Deutschlands und liegt an der Baumschulallee 9-13, etwa 200 Meter vom Bonner Hauptbahnhof entfernt. Auf zwei Stockwerken wohnen insgesamt zwölf Studenten und Studentinnen, im Untergeschoss des Hauses befindet sich die Johanneskapelle. Wegen seiner überschaubaren Größe genießt das Haus den Ruf eines "Wohnheims mit WG-Charakter".

Das Döllingerhaus trägt den Namen des Theologen und Kirchenhistorikers Ignaz von Döllinger (1799-1890). Döllinger war nicht nur ein Wegbereiter der Alt-Katholischen Kirche, sondern auch ein Vorreiter der Äkumene. Er stand mit vielen Menschen im In- und Ausland in regem Kontakt und Austausch. Wir wollen diese Tradition im Geiste Döllingers pflegen und verstehen deshalb unser Haus als ökumenisch offenen Ort des Zusammenlebens und Treffpunkt für Studierende verschiedener Konfessions- und Religionszugehörigkeit, unterschiedlicher Studien-richtungen und Nationalitäten.

 

Geschichte

Am 1. Dezember 1887 eröffnete Bischof Dr. Joseph Hubert Reinkens das Bischöfliche Seminarkonvikt Johanneum in Bonn als Ausbildungsstätte für den theologischen Nachwuchs der alt-katholischen Kirche.Das Seminar war als Wohnort für die Priesteramtskandidaten und zugleich als Lehranstalt konzipiert. Vom Bischof ernannte kirchliche Professoren lehrten dort Theologie in Ergänzung zum Lehrangebot an der Universität. Das Seminar war zunächst in einem angemieteten Haus in der Coblenzer Straße 49 (heute Adenauerallee) untergebracht. Im Mai 1893 wurde es in die Lennéstraße 30 verlegt, wo die Bonner Gemeinde ein Gebäude besaß. Wegen der finanziellen Notlage, in die die Kirche im Gefolge der Inflation des Jahres 1923 geriet, musste das Konvikt aufgelöst und sogar ein Teil der Bibliothek verkauft werden. Erst 1935 konnte das Seminar wiederhergestellt werden, diesmal in einem Haus der alt-katholischen Schwesternschaft in der Baumschulallee 9, wo es noch heute zu finden ist. Durch Umbaumaßnahmen wurden die Häuser 9-13 in der Baumschulallee zu einem einheitlichen Gebäude vereinigt und am 6. Mai 1961 unter dem Namen "Döllingerhaus" als ökumenisches Studentenwohnheim für 40 Studierende neu eröffnet. In dieser Einrichtung sollten Theologiestudenten aus der alt-katholischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen zusammen mit Studenten anderer Fachrichtungen wohnen und leben. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Haus später auf 12 Studierendenzimmer beschränkt, in denen neben den Priesteramtskandidatinnen und -kandidaten Studierende aller Fachrichtungen wohnen.

Alt-Kath. Studierendengemeinde Bonn
(ASG)

Studierendenseelsorge:
Joachim Vobbe
Baumschulallee 9-13
53115 Bonn
E-Mail

Herzliche Einladung zu unseren
Gottesdiensten während der
Vorlesungszeit:

Johanneskapelle im Döllingerhaus
Baumschulallee 9-13

Eucharistiefeier:
Montags 8:00 Uhr / Mittwochs 19:00 Uhr

Morgenlob:
Dienstags / Donnerstags / Freitags 8:00 Uhr

Universität:
Alt-Katholisches Seminar
der Universität Bonn

 

 

Zimmermiete:
185€ inkl. aller NK

Telefonanschluss Internetanschluss:
jeweils 10€ als Flatrate

Kaution: 150€
Schlüsselpfand: 20€
Waschm.nutzung: 0,50€

Parkplätze im Hof sind nur
gegen Miete zu benutzen.

(Angaben ohne Gewähr).

 

Das Haus umfasst auf zwei Stockwerken insgesamt 12 Zimmer. Pro Stockwerk gibt es für die gemeinsame Benutzung eine Küche, Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen. Im Erdgeschoss steht zudem eine Bibliothek als gemeinsamer Arbeitsraum zur Verfügung.

Die Zimmer haben eine Fläche von etwas mehr als 10 Quadratmetern und leider nur fließend kaltes Wasser. Zur festen Ausstattung gehört ein Kleiderschrank, auf Wunsch auch Bett, Schreibtisch und Stuhl. Bis auf zwei liegen alle Zimmer an der Gartenseite.

 

 

 

Das Döllingerhaus beherbergt neben dem Studentenwohnheim das Bischöfliche Konvikt Johanneum der Alt-Katholischen Kirche, d.h. im Haus leben auch die Priesteramtskandidatinnen und -kandidaten. Bewusst haben wir kein abgeschlossenes Priesterseminar mehr, sondern haben die offene Form eines ökumenischen Studentenwohnheims gewählt. Das heißt aber auch, dass diejenigen Studierenden, die im Haus wohnen, eine gewisse Offenheit für das religiöse Leben dort mitbringen sollten. Damit ist nicht gemeint, dass die Teilnahme an Gottesdiensten erwartet wird. Wer aber grundsätzlich Probleme mit "Kirche" hat, ist sicherlich im Döllingerhaus fehl am Platze.

Bewerbungen

Wenn Sie Interesse an einem Zimmer haben, können Sie gerne nach Rücksprache mit der Direktorin das Haus besichtigen. Als Bewerbungsunterlagen benötigen wir einen tabellarischen Lebenslauf und ein Passbild.

 

Studenten   Leitungsteam

Die Priesteramtskandidaten
mit Pfarrerin Henriette Crüwell
Herzlich Willkommen im Bischöflichen Priesterseminar Johanneum in Bonn. Hier wohnen und studieren junge Frauen und Männer, die sich auf ihren zukünftigen Dienst als Priesterin und Priester in unserem Bistum vorbereiten.  

Direktor des Bischöflichen Seminars und Konvikt "Johanneum"

Joachim Vobbe
Döllingerhaus
Baumschulallee 9-13
53115 Bonn
Tel. 0 22 8 / 73 74 96
E-Mail:
Joachim Vobbe


Das Priesterseminar ist im Studierendenwohnheim Döllinger-haus untergebracht, das in zentraler Lage unweit der Bonner City liegt. Die Priesteramtskandidatinnen und - kandidaten leben somit mit Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen in einer Wohngemeinschaft zusammen. Hier wird gemeinsam gebetet, gefeiert, gekocht und gelebt.


Die Vorbereitung auf den geistlichen Dienst geschieht an zwei Einrichtungen: Theologie studieren die Priesteramtskandidatinnen und -kandidaten am Alt-Katholischen Seminar der Universität Bonn. Am Bischöflichen Seminar lernen sie die Praxis aus erster Hand kennen. Geistliche unseres Bistums vermitteln ihnen die Grundlagen und Besonderheiten alt-katholischen Kirchenrechts sowie alt-katholischer Liturgie und Gemeindeleitung. Vor allem aber lernen sie, ihrer eigenen Berufung auf die Spur zu kommen.

Direktorin (interim) Henriette Crüwell und Spiritual Ralf Staymann stehen ihnen dabei zur Seite. Einmal im Jahr trifft sich zudem Bischof Joachim Vobbe mit den Priesteramtskandidatinnen und -kandidaten zu geistlichen Tagen.

Ziele des gemeinsamen Weges sind eine fundierte theologische Ausbildung sowie die menschlich-geistliche Reifung und pastorale Befähigung für den zukünftigen geistlichen Dienst.

 

 


 

 

Spiritual

Pfr. Ralf Staymann
Neuer Weg 4C
56077 Koblenz
Tel. 0 26 1 / 9 88 22 93
E-Mail:
Spiritual R. Staymann

Die geistliche Ausbildungsordnung des Priesterseminars "Johanneum" kann hier gelesen werden.

Wichtige Terminhinweise für die Priesteramtskandidatinnen und Priesteramtskandidaten:
Recollectio imSommersemester 2009 mit Spiritual Staymann am 15. / 16. Mai. Ort wird noch bekannt gegeben.

 

Konsultor
(Mitgutachter)

Pfr. Guido Palazzari
Otto-Steinwachs-Weg 6
63065 Offenbach
Tel. 0 69 / 88 58 12


Diakonatsweihe von Anja Keller

Nach 10 Semestern Regelstudienzeit erfolgt die Weihe zur Diakonin bzw. zum Diakon. Die Neugeweihten werden in die Gemeinden gesandt, in denen sie ein vierjähriges Vikariat verbringen. Frühestens ein Jahr nach der Diakonatsweihe erfolgt schließlich die Priesterweihe.

Sie sind neugierig geworden? Auf diesen Seiten finden Sie erste Informationen. Oder schauen Sie doch einmal persönlich bei uns im Seminar vorbei. In jedem Semester laden wir Schülerinnen und Schüler zu so genannten "Schnuppertagen" ein. Den nächsten Termin finden Sie hier.

 

Dozentenkollegium

Im Rahmen des Theologiestudiums muss in einigen Disziplinen ein gewisses Proprium alt-katholischer Theologie und Pastoral berücksichtigt werden.Dazu gehören die Fächer Homiletik, Liturgiewissenschaft, Kirchenrecht, Pastoraltheologie sowie Religionspädagogik und Katechetik.

Die Adressen der Dozenten finden Sie auf der Seite des Theologischen Fernkurses.

Prof. Dr. Eßer

Dem Dozentenkollegium gehören neben dem Vorsitzenden Prof. Dr. Günter Eßer, der den Lehrstuhl für Alt-Katholische Theologie (Dogmatik und Kirchengeschichte) an der Universität Bonn inne hat, folgende Dozenten an:


 

 
     

Pfr. Dr. Hans-Jürgen van der Minde

Biblische Theologie
und Homiletik

     

Pfr. Oliver van Meeren

Kirchenrecht

     

Pfr. Oliver Kaiser

Liturgiewissenschaft

     

Pfr. Bernd Panizzi

Pastoraltheologie

     

Pfr. Ralf Staymann

Religionspädagogik
und Katechetik

 

Herzliche Einladungen an alle

Zu den Veranstaltungen der alt-katholischen Studierendengemeinde sind alle Interessierten ganz herzlich eingeladen! Wir feiern gemeinsam Gottesdienst, über Konfessionsgrenzen hinweg. Und auch sonst gibt es viel zu entdecken - komm doch einfach mal bei uns vorbei.

 

Gottesdienste & Termine

Zu den gemeinsamen Gottesdiensten mit der Studierendengemeinde in der Seminarkapelle St. Johannes laden wir herzlich ein:

Eucharistiefeier:
Montags 8.00 Uhr und Mittwochs 19.00 Uhr

Morgenlob (Laudes):

Dienstags, Donnerstags und Freitags um 8.00 Uhr

Aktuelle Gottesdienstzeiten
im Veranstaltungskalender der ASG Bonn


Weihen

Die Diakonatsweihe haben empfangen:

am 2. Dezember 2006 in Bonn:
Anja Keller (Freiburg)

am 16. Dezember 2006 in Bonn:
Stefan Kandels (St. Augustin)

am 10. Februar 2007 in Hamburg:
Oranna Naudascher-Wagner (Hamburg)

am 11. März 2007 in Bonn:
Ulf-Martin Schmidt (Krefeld)

am 23. September 2007 in Bonn:
Stephan Neuhaus-Kiefel (Remagen)

Die Priesterweihe haben empfangen:

am 1. Dezember 2007 in Kommingen:
Diakon Ulf Martin Schmidt

am 5. April 2008 in Frankfurt:
Diakonin Anja Goller

 

Schnuppertage

Herzliche Einladung!

Besonders Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sind zu unseren Schnuppertagen eingeladen. An diesen Tagen besteht die Möglichkeit, sich vor Ort über das Theologiestudium und den Weg zum Priestertum zu informieren.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten Einblick in den universitären Alltag und das Studentenleben und nehmen an den Gebetszeiten im Priesterseminar teil.Es gibt genügend Raum zum Austausch mit den Priesteramtskandidatinnen und -kandidaten, und auch Bischof Joachim Vobbe steht bei einer Gesprächsrunde Rede und Antwort.

Die nächsten Schnuppertage finden am 17. und 18. Juni 2009 statt. Es besteht die Möglichkeit, im Priesterseminar zu übernachten.

Kontakt und Anmeldung

 

In jedem Semester wählt sich die ASG ein Thema, um das sich Gedanken, Gebete, Veranstaltungen und predigten drehen. Für das aktuelle Semester haben wir uns dieses Thema ausgesucht: "Herr, dir allein gebührt Anbetung"

 


Herr, dir allein gebührt Anbetung

Spiritual Ralf Staymann, 26.11.2008
Predigttext: Baruch 6,1-6 / Joh 4,1-26

Herr, dir allein gebührt Anbetung - diesen Bibelvers habt Ihr Euch als Semesterthema ausgewählt - ein anspruchsvolles Wort über das sich predigen lässt " über das sich sicherlich auch diskutieren lässt und das theologisch reflektiert werden muss - ein Wort, das letztlich auch meditiert werden sollte.

Herr, dir allein gebührt Anbetung - dieses Schriftwort finden wir im letzten Kapitel des Buches Baruch - das letzte Kapitel wurde später hinzugefügt und trägt die Überschrift: Brief des Jeremias " steht also in der Tradition dieses großen Propheten. Ein prophetisches Wort, das uns heute erreichen möchte.

Anbetung " manche denken an Formen der Anbetung in der sogenannten Volksfrömmigkeit: eucharistische Anbetung " stille Anbetung " andere denken vielleicht zunächst an uns fremde und für uns falsche Formen der Anbetung: übertriebene Heiligenverehrung " Götzenanbetung " Anbetung materieller Reichtümer "In der Tat geht es im Brief des Jeremias " der in der Septuaginta als eigene Schrift überliefert wird und nicht Anhängsel des Buches Baruch ist " um eine der schärfsten Götterpolemiken des Ersten Testaments. Der Brief, der eigentlich mehr eine theologische Lehrschrift ist, warnt die im Exil Verbannten vor der Verehrung babylonischer Götter. Sie sollen sich fernhalten von diesem nutzlosen Menschenwerk. Mit ausgeschmückten Bildern werden in weiteren Versen die Götzen mit Vogelscheuchen oder Dornenhecken verglichen.Immer wieder heißt es am Ende eines Argumentationsganges: Daran könnt ihr erkennen, dass sie keine Götter sind. Fürchtet sie also nicht.

In einer Zeit " um 300 Jahre vor Christus " als die alten babylonischen Kulte in der hellenistischen Epoche wieder stärker wurden, sollte die Verehrung des lebendigen Gottes " des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs " des Gottes, der sich offenbart hat als der: Ich bin der, der ich da sein werde " neu lebendig werden.

Über 400 Jahre später " der Tempel ist wieder zerstört " lässt der Verfasser des Johannnesevangeliums Jesus verkünden, dass die Mitte einer erneuerten Religion die Anbetung im Geist und in der Wahrheit ist " ein voradventlicher Text: Die Stunde kommt und sie ist schon da " - sagt Jesus. Er greift hier ein in den Konflikt um den Ort der Anbetung " ist es der Berg Garizim " ist es die heilige Stadt Jerusalem " Als Jesus diese Frau am Jakobsbrunnen traf, war er gerade auf dem Rückweg nach Galiläa. Er war anläßlich eines der großen jährlichen Feste in Jerusalem gewesen und hatte mit ansehen müssen, wie die Stätte der Anbetung in Jerusalem, das Haus seines Vaters, nicht mehr ein Gebetshaus war, sondern eher einer Räuberhöhle glich.

Der Brief des Jeremias im Ersten Testament rückt den lebendigen Gott in den Mittelpunkt -das Johannesevangelium lädt ein zur Anbetung im Geist und in der Wahrheit. Dass wir Menschen Orte brauchen, um Gott zu erfahren, um Anbetung zu halten, um zur Ruhe, zu uns selber und vor allem zu Gott zu kommen, steht außer Frage. Wir brauchen dazu geheiligte Räume " die uns heraus holen aus dem Alltäglichen. Dennoch ist Anbetung nicht eingeschränkt auf bestimmte Orte oder Riten. Das sind Hilfen, die wir Menschen brauchen und in Anspruch nehmen dürfen. Egal, wie und wo wir zur Anbetung finden, die Anbetung gebührt dem Herrn allein. Und das ist der lebendige Gott, an den wir glauben, den wir miteinander feiern, der unser Leben trägt und hält - das ist kein Götze in lebloser Form " oder wie auch immer uns die Götzen der heutigen Zeit begegnen " unser Gott ist nicht ein in Form gegossenes goldenes Kalb, um das wir herumtanzen " bis wir am Ende des Lebens von diesem Tanz erschöpft und selber tot sind wie die Götzen. Wir glauben an den Gott, der sagt: Ich bin der, der ich da sein werde.

Diesem Gott, dessen Menschwerdung wir in einigen Wochen feiern, gebührt allein Anbetung. Und diese Anbetung muss sich immer auch in unserem Leben zeigen. In unseren Sakralräumen geht das alles sehr gut, in unseren wohl gestalteten Räumen bei Kerzenlicht und angesichts wunderbarer sakraler Gefäße inmitten wohl duftender Weihrauchsorten, aber im alltäglichen Leben wird es manchmal mühsam angesichts unserer eigenen Schwächen und der unserer Mitmenschen, wenn es alles nicht so gut aussieht und gut riecht, wenn es dunkel wird um uns und in uns. Mein Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen ist nicht los gelöst von der Anbetung Gottes zu sehen. Wenn ich im Geist und in der Wahrheit den lebendigen Gott anbete, dann berührt das auch mein Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen. Mein Verhalten gegenüber meinen Nächsten ist die tägliche Kniebeuge vor dem Angesicht des lebendigen Gottes " oder eben nicht "

Anbetung ist Gottesdienst " und Gottesdienst ist immer auch Dienst am Nächsten " das Evangelium des letzten Sonntages im Kirchenjahr hat uns daran erinnert: Was ihr einen meiner Geringsten getan habt, das habt ihr für mich getan. Anbetung ist also mit Dienen verbunden " mit klein machen " nicht mit erniedrigen " sich ducken " wohl aber sich klein machen vor Gott " und vor dem Nächsten " vor Gott im Nächsten.Wahre Anbetung im Geist ist für mich in erster Linie nicht liturgisch gemeint, sondern in letzter Konsequenz immer ein heiliges Leben zur Ehre Gottes. Und da können wir, wie wir im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth lesen, sogar essen und trinken zur Ehre Gottes.

Dies wollen wir nun tun, in der dichtesten Weise der Anbetung, in der Feier der Eucharistie, die uns stärkt zur Anbetung mitten im Leben " wenn wir das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles miteinander teilen im Namen des Herrn.

Amen.

diesen Text als .pdf
herunterladen...


Du sollst ein Segen sein
(Sommersemester 2008)

Segen als Geschenk
Ralf Staymann, 25.6.2008

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich werde dich segnen und: Ein Segen sollst du sein. Unter dieser Verheißung beginnt die Wanderschaft Abrahams aus seiner angestammten Heimat in das von Gott zugesagte Land. Schon hier wird deutlich: Segen ist ein Geschenk " eine Gabe " und gesegnet wird man nicht nur für sich selbst. Abraham empfängt den göttlichen Segen, um ihn weiter zu geben. Es ist ein gutes Zeichen der Zeit, dass das Gespür für die Kraft des Segens und Gesegnet-Werdens in unseren Tagen wächst " viele werden nicht sagen können, warum ihnen der Segen wichtig ist.

In vielen Gemeinden nehmen Menschen gerne die Einladung zu Segensgottesdiensten an. Der Segen tut ihnen gut. Eine Blume wächst belebter, wenn der Tau sie in der Frühe tränkt, wenn die Sonne sich an sie verschwendet. Menschen geht es ähnlich " auch wir brauchen zum Wachsen und Werden gute Nahrung; Nahrung, die Gottes Schöpfung uns schenkt. Nach Gottes Willen sind wir Leib und Seele, Körper und Geist. Nicht nur der Körper, auch der andere Teil braucht Stärkung: etwas, das ihm gut tut " aufrichtet und aufbaut.

Der Segen " das Segnen " benedicere " das heißt ja "Gutes sagen" " ist eine Weise, durch die dies für uns Menschen erfahrbar wird. In vielen Lebenssituationen vermag der Segen die Seele mehr zu stärken, als es Worte je könnten. Der Segen war für die Menschen im Ersten wie auch im Neuen Testament so vertraut wie der tägliche Gruß " gerade die Menschen in alttestamentlicher Zeit haben in ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder erfahren, dass der Mensch mehr braucht als das tägliche Brot und den Wein für das Fest, mehr als nur Sonne und den Regen. Das Wohlwollen Gottes und das Wohlwollen der Menschen waren ihnen ebenso wichtig, damit Leben gelingen konnte. Der Abschied Esaus lässt etwas davon erahnen, wenn der Sohn bittend fragt: Hast du denn keinen Segen mehr "?

Seelsorgerinnen und Seelsorger kennen diese Frage der Menschen " manchmal ausgesprochen " öfter aber nur in bittenden Augen zu erkennen: Es fehlt noch etwas " können sie mich nicht segnen " können sie uns nicht noch etwas Gutes zu sagen in dieser schwierigen Situation. Es ist wie eine versteckte, scheue Bitte nach einem Sakrament " nach einem Hauch von Heil " oft auch in Situationen, für die wir kein offizielles Sakrament bereit halten: in Lebenskrisen, die oft mit Loslassen und Weggehen zu tun haben, aber auch Neuanfänge oder Aufbrüche markieren: dann ist es gut, nicht ohne Segen davon zu gehen " zu ahnen: dieser Lebensabschnitt, dieser Krisenzeit, ist oder kann heil " voll sein.

Ähnlich wie Jakob am Jabbok ruft: Ich lasse nicht von dir, es sei denn du segnest mich. Jakob erfährt hier, was viele Menschen auch heute erfahren: Krisenzeiten sind Segenszeiten " Entscheidungssituationen " neue Erfahrungen " Lebenswenden: die Segnung der Kinder zum Eintritt in den Kindergarten oder zu Beginn der Schulzeit " Segnungen zum Einzug in eine neue Wohnung " Segnung eines alten Menschen, der einen anderen Menschen verloren hat " und viele andere biographische Eckdaten, die nach Segen schreien. Menschen, die in solchen oder ähnlichen Situationen, den Segen Gottes erbitten und empfangen werden selber zum Segen für andere. Die neunmalklugen Schildbürger bauten ihr stolzes Rathaus ohne Fenster. So blieb es finster und sie konnten nicht miteinander beraten. Dann versuchten sie das Licht in Säcke zu fassen und herein zu tragen. Aber es gelang nicht.

Segen bedeutet Fenster im Alltag zu haben " Licht, Helligkeit, Offenheit " eine Transparenz und Transzendenz. Segen kann fließen, wenn der Mensch Gott an sich heran lässt " sich ihm offen hinhält. Du sollst ein Segen sein " wir empfangen diesen Segen " wir geben ihn aber auch weiter " durch unsere Worte und durch unser Handeln " in jedem Segenswort und der damit verbundenen Geste liegt eine ungeheure Kraft " nicht magisch, wohl aber aufbauend und konstruktiv " So wie wir Kraft geben in unsere Worte, die allerdings nicht immer segensreich sind " nicht immer konstruktiv, oft auch destruktiv. Teilhard de Chardin z.B. war überzeugt vom Einfluss des Sprechens auf das geistige Klima " die Atmosphäre, die Noosphäre der Welt, wie er sagt. Worte strahlen aus. Segen " empfangener Segen soll ausstrahlen " den Menschen Gut tun " benedicere " nicht maledicere " verfluchen.

Es geht aber nicht nur um wohlwollendes Gutmeinen " um Wellness für die Seele " Menschen, die es immer nur gut mit sich und anderen meinen, bewirken oft nicht nur Gutes. Segnen und sich segnen lassen stellt den einzelnen Menschen oder eine Gemeinschaft in einen von Gott geschenkten Raum der Gnade und des Heiles. Es ist fast wie ein Bekenntnis: du und ich " wir Menschen " gehören einer anderen Welt an " die von Gottes Liebe und Erbarmen bestimmt ist, so wie sie uns Jesus in seinem Leben und auch in seinem Leiden, Sterben und Auferstehen erschlossen hat.

Wenn wir dies jetzt in der Eucharistie feiern, dann feiern wir den Segen Gottes, der uns geschenkt ist " und der uns begleitet in unseren Alltag " und der uns zum Segen macht für andere. Amen.

Amen

diesen Text als .pdf
herunterladen...

 

Segen oder Fluch

Henriette Crüwell, 2.7.2008
Predigttext: Dtn 30,15-26

"Segen oder Fluch?", fragen wir bang bei jeder neuen Erfindung, die durch die Schlagzeilen der Zeitungen und durch den Bilderwald der Hochglanzmagazine und Internetseiten geht. Der Fortschritt von Wissenschaft und Technik wird heute längst nicht mehr von allen - wie in vergangenen Zeiten - nur als Segen gesehen. Bringt genmanipulierte Saat z.B. wirklich Segen, bringt sie mehr Wachstum und damit Nahrung und Leben für die unzähligen Menschen auf dieser Welt, die vor Hunger sterben? Oder bedeutet sie Fluch und Tod, weil sie die Artenvielfalt auf dieser Welt zerstört und das Leben von Mensch, Tier und Pflanzen bedroht?

Segen oder Fluch? Fragen wir bang nicht nur in solchen Fragen von eher weltpolitischem Rang, sondern auch in unseren ganz persönlichen Lebenslagen. Dann nämlich, wenn wir vor Entscheidungen stehen, deren Folgen und Risiken wir jetzt noch nicht im Einzelnen überblicken können und daher wählen müssen: Wird der Umzug in die neue Wohnung mehr Lebensqualität bedeuten? Mehr Licht, mehr Platz, mehr Freiheit? Fragt die junge Familie, die von der Dreizimmerwohnung und der Stadt in ein Häuschen aufs Land umzieht. Oder verbringen wir dann einen Großteil unserer Zeit im Auto, um von einem Ort zum anderen zu kommen? Werde ich in diesem Studium meine Begabungen entfalten können? Und habe ich damit eine berufliche Zukunft? Fragt die Studienanfängerin. Oder werde ich mit dieser Ausbildung später Mal ohne Arbeit auf der Straße stehen? Wird dieses Medikament wirklich Heilung bringen? Fragt angstvoll der schwerkranke Patient. Oder werden die Nebenwirkungen meine Gesundheit nur noch mehr schwächen? Werde ich nicht leben sondern sterben?

Segen oder Fluch? Diese Frage steigt wohl immer dann in uns auf, wenn wir merken, dass wir die Folgen unserer Entscheidung nicht wirklich in der Hand haben. Das Leben erfahren wir in solchen Entscheidungssituationen als das, was es ist: nämlich als nicht selbstverständlich! Als etwas also, das unserer Kontrolle letztlich entzogen ist und das bedroht bleibt. In den vielen kleinen Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen, vertrauen wir darauf, dass schon alles gut gehen wird. Wir denken gar nicht groß darüber nach, dass das Leben immer lebensgefährlich ist und dass in jeder Wahl auch die Möglichkeit des Scheiterns liegt. Und einer, der überall nur den Tod und das Verderben fürchtet, wird vor Angst krank, malt den Teufel an die Wand und macht sich das Leben ja tatsächlich zur Hölle. Aber es gibt doch Fragen und Entscheidungen in unserem Leben, in unserer Gesellschaft und in unserer Zeit, da stehen wir vor der Frage: Segen oder Fluch? Da erahnen wir es manchmal mehr als dass wir es wissen, wie nah Segen und Fluch beieinander liegen. Ja, dass sie die zwei Seiten einer Münze sind. Und dann dürfen wir nicht vor den Risiken und vielleicht sogar vor dem Tödlichen daran die Augen verschließen und es uns schön reden.

In den Kirchen reden wir heutzutage viel lieber über den Segen. Von der Kanzel wird Gottes reicher Segen verkündigt, der wie die Sonne über bös und gut, so scheint es, gleichermaßen aufgeht. Wir tun uns schwer mit dem Fluch. Wir segnen lieber, als dass wir den Segen verweigern. Vielleicht weil in der Kirchengeschichte viel zuviel und viel zu viele pauschal verflucht worden sind: die Ketzer und die Hexen aller Zeiten, die Moderne und ihre Erfindungen. Vielleicht weil dem Fluchen mehr noch als dem Segnen etwas Magisches anhaftet. Vermutlich aber rührt unsere Vorbehalte daher, dass der Fluch einfach nicht mehr zu unserem heutigen, gängigen Gottesbild zu passen scheint. Gott ist die Liebe. Gott ist doch der Gott des Lebens, der Gott, der es mit allen gut meint. "Gott hat alle Menschen lieb", wie es in einem Kinderkirchenlied heißt, dass auch ergraute Menschenkinder inbrünstig mit singen. Diese Vorbehalte haben sicher ihre Berechtigung. Und der Begriff des Fluches ist in unserer Gesellschaft mehr denn je ein problematisches Wort. Denn es führt auf Abwege, wie schon allein die Titel von Kinofilmen der letzten Jahre zeigen. Und trotzdem möchte ich fragen, ob wir die Wirklichkeit, die die Bibel mit Fluch bezeichnet, wirklich ausklammern dürfen. Verlieren wir, wenn wir so handeln, nicht etwas ganz Entscheidendes aus dem Blick?

Ja, Gott ist der Gott des Lebens. Er ist, so glauben wir, der Schöpfer von Himmel und Erde. Er hat Israel in der Wüste neues Leben geschenkt und seinen Sohn nicht im Tod gelassen. Ja. Er ist der Gott des Segens. Denn als Himmel und Erde vollendet waren, da sah Gott alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut. In allem, was ist, liegt daher dieses Segenswort Gottes: Siehe, es ist gut! Und Jesus Christus hat uns dieses Gottgeheimnis des Menschen erschlossen.

Aber: der Gott des Lebens ist kein Gott, dem alles gleich-gültig ist. Er ist keiner, der mit seinem Segen alles schön redet. Der liebe Gott ist kein beliebiger Gott. Der Gott Israels und der Vater Jesu ist der Gott der Gerechtigkeit, der entschieden eintritt für die Armen und Entrechteten und gegen alle Mächte des Todes: Gewalt, Neid und Angst. Ihnen verweigert er seinen Segen, eben weil er der Gott des Lebens ist. Er redet nicht alles schön, sein Wort ist vielmehr gut. Es ist wahr und es nennt Ausbeutung, Sklaverei, Habgier und Gewalt böse und lebensverachtend und entlarvt sie als das, was sie sind, Mächte des Todes.

"Segnen kann man alles" das kommt uns so flott über die Lippen. "Menschen, Tiere, Campingwagen und Kläranlagen." Wie aber sieht es mit Bomben, Panzern und Granaten aus? Wie sieht es mit Start- und Autobahnen aus, die die Natur und den Lebensraum von Mensch und Tier zerstören? Wie sieht es mit dem eben erwähnten genmanipulierten Saatgut aus? Müssen wir all dem nicht sogar im Namen Gottes den Segen verweigern, eben weil er der Gott des Lebens ist? Müssen wir nicht manchmal auch den Fluch beim Namen nennen? Segnen heißt auf lateinisch bene-dicere, wörtlich gut sprechen. Wenn wir Menschen und Dinge gut nennen, dann ahmen wir Gott nach, der am Anfang sprach: es ist alles gut! Aber es ist nicht alles gut auf dieser Welt. Krieg, Unterdrückung, Zerstörung der Natur, Neid und Leid sind nicht gut. Sie sind schlecht. Sie vernichten das Leben anstatt es zu bewahren und zu vermehren. Fluchen heißt auf lateinisch male-dicere " schlecht sprechen. Auch immer dann wenn wir Unrecht als Unrecht benennen, ahmen wir auch Gott nach, der als Gott des Lebens der Gott der Gerechtigkeit ist.

"Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch", mahnt Mose in der heutigen Lesung nicht nur das Volk Israel sondern auch uns, "wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen."

Wähle das Leben! Das ist einfacher gesagt als getan. Denn nicht immer liegen die Alternativen so klar und eindeutig auf der Hand. Und manchmal stellt sich erst im Nachhinein heraus, dass eine Entscheidung nicht das Leben vermehrt hat, sondern buchstäblich tödlich war " für einen selbst oder für andere. Wir erfahren das Leben dann als prekär, als vom Fluch und vom Tod bedroht. Vielleicht ist es unsere Aufgabe als Gläubige in unserer Zeit, auf diese Bedrohung aufmerksam zu machen. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die noch den Tod und die Zerstörung als gutes Leben verkaufen will, solange nur die Verpackung stimmt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Herz in die Ellbogen gerutscht ist und in der das Über- Leichen-Gehen zum guten Stil gehört. Das Leben ist prekär. Immer! Aber prekär hat noch eine weitergehende Bedeutung, die wir meist nicht gleich mithören. Prekär kommt vom lateinischen precare und das heißt bitten, beten. Das Leben will erbeten werden. Dass das Leben also prekär ist, muss uns keine Angst machen. Denn wir glauben, dass Gott es uns schenkt. Immer wieder neu! Selbst im Tod!

Leben bedeutet, so Mose in der heutigen Lesung, Gott zu lieben und in seiner Gegenwart zu leben. Leben oder Fluch? Wird dann zu einer Frage mit der wir nicht allein gelassen sind. Ein alter geistlicher Lehrer hat mir einmal folgenden Rat gegeben, den ich auch an Euch weitergeben möchte: "Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Du das Richtige tust bzw. willst, dann bitte Gott darum. Worum Du Gott bitten kannst, ohne dass Dein Herz streikt, das ist von ihm gesegnet. Und er wird dich mit seinen Segen begleiten. Segen oder Fluch? fragen wir dann nicht mehr bang sondern voll Vertrauen.

Amen

diesen Text als .pdf
herunterladen...

 

Segen - Identität

Prof. Günter Esser, 9.7.2008
Predigttext: Num 6, 22-24

1. Vor einigen Jahren wollte die Werbeabteilung des Coca-Cola Konzens einmal überprüfen, wie bekannt ihre Marke eigentlich ist. Jungen Erwachsenen wurden eine Reihe Filmspots gezeigt, in die für nur Bruchteile von Sekunden das Coca-Cola Logo eingeblendet wurde: Der charakteristische weiße Namenszug auf rotem Grund. Obwohl diese Einblendungen nur wie Blitze waren, erkannten 95 % der Befragten das Logo von Coca Cola wieder. Ein großer Erfolg für die Werbestrategen!

Und fast jeder weiß auch, was sich hinter dem großen gelben "M" verbirgt oder dem "silbernen Sterns" auf den Straßen dieser Welt...

Ein Schriftzug, ein Symbol steht für eine ganze bestimmte Marke. Und es ist die Strategie cleverer Werbeagenturen, einem solchen Symbol den größtmöglichen Bekanntheitsgrad zu geben. Das garantiert Umsätze und Gewinne.

2. Nicht lange ist es her, da bemühte sich die Synodalvertretung ebenfalls sehr, unserer alt-katholischen Kirche nach außen hin ein einheitliches Erscheinungsbild zu geben. Das Dreieck mit dem Kreuz und die Farbe "blau" stehen seither für das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland. Es gibt dieses Dreieck als Anstecknadel, auf großen Fahnen, als Anhänger für Halskettchen und als Lätzchen für alt-katholische Babys. Corporate Identity nennt man das. Wer dieses blaue Dreieck sieht, soll an Alt-Katholiken denken. Das ist übrigens keine neue Idee pfiffiger Werbemanager, die der Kirche ein neues Image verpassen wollen. Zur Zeit der Christenverfolgungen in der frühen Kirche gab es ebenfalls ein solches Zeichen von Corporate Identity: den Fisch. Wo Christen dieses Symbol sahen, wussten sie: hier haben wir es mit Glaubensgeschwistern zu tun.

Fisch heißt im Griechischen ichthys. Und die einzelnen Buchstaben von ichthys stehen für die Worte: "Jesus Christus Sohn Gottes Retter". Der Fisch war also für die Eingeweihten ein Erkennungszeichen: Hier ist ein Bruder, eine Schwester. Sie gehören zu Christus " wie ich. Ihnen kann ich vertrauen.

3. Zur Vorbereitung auf diesen Gottesdienst habe ich einmal in einer großen Bibelkonkordanz unseres Seminars die Stellen gezählt, die dort zum Stichwort "Segen" und "segnen" angeführt sind. und dabei eine für mich erstaunliche Entdeckung gemacht: Ich habe 157 Verweisstellen im AT und lediglich 19 im NT gefunden. Das liegt sicher nicht nur daran, dass die hebr. Bibel einen größeren Umfang hat als die Schriften des NT. Was mag der Grund für diesen alttestamentlichen "Segensüberhang" sein?

Ein Grund ist wohl, dass die Gläubigen der frühen Kirche den Segen nicht neu erfinden mussten, sondern sie wussten: Es ist derselbe Gott, der sich damals an Israel wirkmächtig gezeigt hat, den wir jetzt um seinen Segen bitten dürfen; es ist derselbe Gott, auf den die Frommen der hebräischen Bibel hofften, auch in dunklen, bitteren Zeiten. Ihre tiefste Überzeugung war es, dass es, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott des Mose und der Propheten ist, der nun mit ihnen, den Christen, diese Heils- und Segensgeschichte weiter schreiben will, über Israel hinaus, jetzt für die Völker der Welt. Dieser und kein anderer Gott hat Jesus als seinen Christus gesegnet. Und diesen Segen Jesu gilt es weiter zu tragen in die Zeit der Kirche hinein, in unsere Zeit hinein. Wir brauchen das "Segensrad" nicht neu zu erfinden.

Und so dürfen wir auch die uralten Segenstexte als unsere Segenstexte lesen: den Aaronitischen Segen aus dem Buch Numeri zum Beispiel, das Benediktus des Zacharias, das ja ein einziger Lobpreis ist auf Gottes Heilszuwendung, auf Gottes Segen für Israel und durch Israel für uns alle.

4. Vielleicht ist Ihnen beim Aaronitischen Segen etwas aufgefallen. Nach den drei Segensversen schließt dieser Abschnitt mit folgender göttlichen Anweisung: "So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen."

Das klingt, als ob die Menschen, für die Aaron und seine Söhne den Segen erflehen, von Gott "in Besitz" genommen, von ihm mit einem besonderen Merkmal, gewissermaßen einem Siegel versehen werden. Weil Gottes Name auf ihnen liegt, weil sie zu Gott gehören, weil er sie herausgehoben hat aus einer namenlosen Masse, können sie Segen empfangen, unter Gottes Schutz stehen.

Die Gesegneten gehören zu Gott. Sie haben eine neue Corporate Identity. Sie tragen ein Siegel, ein unauslöschbares Kennzeichen. Sie tragen das göttliche Logo tief eingebrannt in ihrer Seele und in ihrem Herzen.

Für die Christinnen und Christen in den Verfolgungszeiten war es der Fisch, der ihnen bedeutete: Hier begegnen wir Glaubensgeschwister mit der gleichen Identität, mit dem gleichen Segenssiegel. Wir können darauf vertrauen, dass sie uns in Not und Bedrängnis helfen, weil dieser Gott, der auch unser Gott ist, sie mit seinem Geist gesegnet und beschenkt hat. Der Fisch steht für den gleichen Glauben, für die gleiche Hoffnung, dass Gott treu ist. Denn er hat Jesus von Nazaret, der wie kein anderer gesegnet war, nicht im Tod gelassen, sondern auferweckt, damit Gottes Botschaft weitergesagt werden kann, damit Gottes Leben weitergegeben werden kann. Von denen, die Gesegnete sind.

Aus dem Fisch wurde das Kreuz. Dieses Zeichen der Ohnmacht und der Erniedrigung des Menschensohnes sollte zum Zeichen des Heils werden. Wer unter dem Siegel des Kreuzes steht, ist ein Gesegneter, weil der Gekreuzigte der Gesegnete des Vaters ist und wir als Schwestern und Brüder Jesu hinein genommen sind in seinen Tod und seine Auferstehung.

Aber dieses Logo der Erlösung ist wohl zu sehr verblasst im Laufe von 2000 Jahren Kirchengeschichte. Oder sollte ich sagen: zu stark beschädigt und beschmutzt worden? Aus dem Zeichen des Segens wurde viel zu oft ein Zeichen des Fluches. Aus Kreuzen wurden Hakenkreuze, und das Gebet über Kriegsflugzeuge, die Atombomben als Fracht trugen, machten aus dem Segen eine Perversion.

Und heute ist das Kreuz zum säkularen Schmuckstück geworden, möglichst groß, grell und schillernd muss es sein; es ist fester Bestandteil von Karnevalskostümen und Erkennungszeichen von Metal und Punk Fans. Man mag diese Entwicklung bedauern oder beklagen, aber wir kommen nicht darum herum, sie zur Kenntnis zu nehmen. Durch die Inflation von Kreuzen ist aber der religiöse Sinn dieses Zeichens weitgehend verloren gegangen.

Brauchen wir deshalb ein neues Logo? Jede Konfession oder religiösen Gruppe ein eigenes Erkenntniszeichen? Und damit man die Handvoll Alt-Katholiken auch unterscheiden kann von anderen, das blaue Dreieck mit dem Kreuz? Also so etwas wie Coca Cola auf alt-katholisch? Vielleicht!

Aber noch wichtiger als diese äußere Corporate Identity scheint mir mit Blick auf uns als Kirche die innere Identity zu sein, die damit verbunden sein soll. Dieses alt-katholische Logo soll uns ja nicht nur froh machen, wenn wir auf Gleis 2 des Kölner Hauptbahnhofs jemanden mit "unserem" Erkennungszeichen entdecken und wir ihn ansprechen können.

Heute, denke ich, hat ein solches Zeichen immer auch einen missionarischen Aspekt. Nicht aufdringlich, nicht bedrängend aber selbstverständlich müssen Menschen etwas mit einem solchen Logo verbinden können, etwas, was ihnen in ihrem Alltag, in ihren Sorgen, in ihrem Leid, in ihrer Sinnsuche, in ihren Lebensbrüchen, in ihrer Schuld sagt: Zu Menschen, die ein solches Erkennungszeichen tragen, kann ich gehen. Sie weisen mich nicht ab. Sie haben nicht auf alle Fragen Antworten und nicht für alle Probleme Lösungen, aber bei ihnen spürt man, dass sie irgendwo auf festem Grund stehen und aus einer Kraft schöpfen, die meine eigene kleine Kraft übersteigt. Ein solches kirchliches Logo muss die Botschaft aussenden, dass es denen, die es tragen, um das Leben geht, das Gott für alle Menschen will. So und nicht anders können sie für andere zum Segen werden, weil sie selbst Gesegnete sind und dieser Segen durch sie sichtbar, fühlbar, greifbar wird. Nicht in großen Aktionen muss das geschehen. Der Segen Gottes eignet sich nicht für Showeffekte. Aber er muss "getan" werden. Wie heißt es im Kirchenlied: "Keiner kann allein, Segen sich bewahren. Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn." Ein kirchliches Logo muss also leben, weil es nur Hinweis ist auf die frohe und die Menschen befreiende Botschaft Gottes. Tut es das nicht, wird es nicht mit Leben, mit Segen gefüllt, dann unterscheidet sich unsere ganze Corporate Identity nicht sonderlich von der eines Kaninchenzüchtervereins. Gesegnete müssen Segen weitergeben, das ist ihre Berufung, das ist ihr Auftrag, der einzige, der wirklich zählt. Sie haben dem Leben zu dienen, wo immer Gott sie braucht und hinstellt.

Amen.

diesen Text als .pdf
herunterladen...


Aus der Hand geben

Andreas Krebs, 16.7.2008
Predigttext: 2 Kor. 12, 7-10

Liebe Schwester, liebe Brüder,

am Ende jedes Gottesdienstes empfangen wir einen Segen. Oft sind wir dann schon müde. Schon vorher haben wir ein paar Mal auf die Uhr geschaut, die Predigt war lang, und wieder einmal wurden von allen Liedern alle Strophen gesungen. Wie immer sind wir oft auch beim Segen in Gedanken schon beim nächsten Schritt.

Dabei ist der Segen das, was wir für den nächsten Schritt mitbekommen. Nicht nur am Ende eines Gottesdienstes: Vielleicht empfangen wir auch zu Beginn eines Tages, vor einer Reise, beim Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt einen Segen. Die Priesterin oder der Priester breitet die Arme über uns aus: eine uralte Geste. Man kann da auch an einen Vogel denken, der schützend seine Flügel über die Küken breitet, und an die Psalmen, in denen es heißt: Im Schatten deiner Flügel bin ich geborgen. Oder ich bekomme die Hand aufgelegt und spüre körperlich, dass ich gemeint bin, wirklich ich, wenn ich diesen großen, viel zu großen Satz höre, den kein Mensch auf eigene Rechnung zu mir sagen könnte: Du sollst gesegnet sein. Oder ich empfange einfach nur das segnende Wort von einem Menschen, dem ich teuer bin und der alles tut, dass es mir gut geht " und das Gute, das er mir nicht tun kann, in den Segenswunsch legt.

Ist der Segen nur eine Geste? Gewiss ist er eine sehr wirkungsvolle Geste. Gewiss wirkt er aber auch nicht wie ein Mittel zum Zweck. Dennoch, ein Segen ist schön, er bewirkt, dass ein Widerschein der Schönheit Gottes in unser Leben getragen wird.

Manchmal wirkt der Segen aber nicht so, wie man denkt. Nicht immer bin ich zum Schluss des Gottesdienstes schon unkonzentriert; manchmal empfange ich den Segen ganz bewusst und verlasse die Kirche gestärkt und beschwingt und gehe wie auf einem Wolkenteppich nach Hause. Aber beim Verzehren des Sonntagsbratens kommt mir, ich weiß nicht woher, ein grobes Wort über die Lippen, und schon hängt der Haussegen schief, von Wolken und Schwebezuständen ist nichts mehr zu spüren. So ist es leider überhaupt mit dem Segen: Mancher, der den Blasiussegen empfangen hat, wird dennoch krank. Pläne scheitern, Ehen und Partnerschaften zerbrechen trotz Segens der Kirche, Katastrophen aller Art passieren weiterhin. Schlimm, wenn man selbst von einer getroffen wird. Der Segen ist schön, er stärkt und schützt, aber das Leben behält seine hässlichen Seiten; wir sind schwach uns verletzlich und bleiben es. Das ist die Realität. Ist der Segen also doch nur eine Geste?

Viele von uns haben in einem Seminar gemeinsam über dieses Problem nachgedacht: Zum Segnen und Segen Empfangen gehört die Erfahrung von Gebrochenheit und Schwäche. In einem Artikel, den wir gelesen haben, stand dazu ein paradoxes, tröstendes Bibelzitat: "meine Kraft ist in den Schwachen mächtig", oder wie es in der Einheitsübersetzung heißt: "Meine Gnade erweist ihre Kraft in der Schwachheit."

Ich bin dieser Bibelstelle einmal nachgegangen. Den unmittelbaren Kontext haben wir eben in der Lesung gehört. Paulus spricht dort von einem Stachel, der ihm ins Fleisch gegeben sei, und einem Boten Satans, der ihn mit Fäusten schlage. Paulus redet hier wahrscheinlich von einer Krankheit, die ihn chronisch quält. Über diese Krankheit ist viel spekuliert worden; manche vermuten, dass er heftige Schmerzen im Kopfbereich hatte, denn das Verb für "mit den Fäusten schlagen", kolaphizein, ist von kolaphos abgeleitet, das neben einer Misshandlung im Allgemeinen auch speziell "Ohrfeige" bedeuten kann. An die Gemeindemitglieder in Galatien schreibt Paulus, sie hätten sich am liebsten, als er krank und schwach bei ihnen gewesen sei, die Augen ausgerissen, um sie ihm zu geben (Gal. 4,15): Womöglich plagte Paulus also eine schmerzhafte Erkrankung der Augen. Vielleicht ist sein Leiden aber auch schlicht auf die Strapazen seiner Lebensweise als Wandermissionar und auf die Folgen der Folterungen zurückzuführen, die er dabei erdulden musste. Nach der sogenannten Leidensliste im 2. Korintherbrief hat Paulus die synagogale Strafe der vierzig Hiebe weniger einen erlitten, und zwar fünf Mal, dreimal wurde er ausgepeitscht, einmal gesteinigt. Viele Menschen überlebten solche Strafen nicht. Im Falle der Steinigung war der Tod des Opfers sogar beabsichtigt. Paulus kam mit dem Leben davon, aber diese Erfahrungen müssen unglaubliche innere und äußere Wunden hinterlassen haben. Hinzu kamen Gefängnisaufenthalte, Schiffbrüche und Überfälle, Hunger, Durst und Kälte. Als die Gemeinde in Korinth den kranken und geschundenen Paulus sah, gab es einige, die nicht glauben mochten, dass auf solch einem Menschen die Autorität eines Apostels ruhen konnte. Ja, die Briefe, die seien wuchtig und voll Kraft, wurde gesagt, aber sein Auftreten sei dann doch eher matt, seine Worte armselig (2. Kor. 10,10). Das Leben des Paulus war wahrlich nicht überreich mit Gesundheit und Erfolg gesegnet!

Wie verarbeitet Paulus solche Erfahrungen? Zum einen schreibt er, der Bote Satans schlage ihn, damit der sich nicht überhebe. Kurz zuvor berichtet Paulus von einer ekstatischen Erfahrung, die ihn in den Himmel, in das Paradies entrückte; aber dann holt ihn sein Leiden buchstäblich wieder auf die Erde zurück: "Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen", so Paulus. Ich selbst bin noch nie in den Himmel entrückt worden, aber von meinen sehr viel bescheideneren Schwebezuständen habe ich schon gesprochen, und mir leuchtet ein, dass einem solche Erfahrungen zu Kopfe steigen können. Ganz gleich, womit wir gesegnet werden, mit spirituellen Erlebnissen oder geglückten Beziehungen oder handgreiflichem Erfolg " immer neigen wir insgeheim doch dazu, die Wirkungen des Segens uns selbst zuzuschreiben. Deswegen müssen wir immer wieder einmal mit der Nase auf die Erde fallen " meint Paulus.

Es gibt einen zweiten Gedanken, der Paulus hilft, sein Leiden zu bewältigen. Diesmal ist es nicht sein eigener Gedanke; Paulus schreibt, er habe ihn als Antwort Gottes empfangen. Dreimal hat er Gott angefleht, dass sein Leiden aufhören möge. Das dreimalige Gebet gilt als besonders intensiv und wirksam. Die Zahl drei umfasst Anfang, Mitte und Ende und signalisiert damit auch eine gewisse Endgültigkeit des Geschehens. Gottes endgültige Antwort aber lautet anders als erhofft: "Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit".

Paulus verzweifelt an dieser enttäuschenden Antwort nicht. Er wird mit ihr gehadert haben, er wird in der Tradition der Psalmen ein klares Wort mit Gott gesprochen und mit ihm gerungen haben. Aber schließlich kann er sein Geschick annehmen und die paradoxen Worte sagen: "wenn ich schwach bin, bin ich stark". Und: "Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt." Paulus nimmt sich ganz zurück; seine schrecklichen Leiden, seine Grenzen, seine Misserfolge verstellen ihm nicht mehr die Nähe zu Gott. Paulus gibt sich selbst aus der Hand, sagt zu Christus: hier bin ich, so bin ich, nimm mich, wie ich bin. Und er erfährt, dass gerade so, und nicht anders, die Kraft Christi in ihm mächtig wird.

Mir hat es sehr geholfen, dass der vorhin erwähnte Aufsatz eine Beziehung zwischen dem Segen und dieser Erfahrung des Paulus herstellt. Mir ist daran klargeworden, dass Segen etwas mit Hingabe zu tun hat. Der Segnende und der Gesegnete nehmen sich beide in dieser Geste zurück, geben sich aus der Hand, lassen los und öffnen sich für Gottes Wirken. Ein Segen hat nichts, gar nichts mit magischer Kraft zu tun, dafür umso mehr mit menschlicher Unvollkommenheit. Der Segen lässt alle Beteiligten schwach, wie sie sind. Der Segnende wünscht sich etwas für mich, das er mir nicht geben kann; ich höre einen Zuspruch, dessen Erfüllung ich, auch mit festem Glauben, nicht erzwingen kann. Wir, der Segnende und der Gesegnete, geben uns aus der Hand und schaffen Raum für Gottes Kraft. Diese Gelassenheit und diese Zuversicht geben der Segensgeste ihre Schönheit. Ja, diese Geste ist schön, sie trägt einen Widerschein der Schönheit Gottes in unser Leben.

Amen

diesen Text als .pdf
herunterladen...

 


Atem Gottes, Heiliger Geist
(Wintersemester 2007/2008)

Atem Gottes, Heiliger Geist
Prof. Günter Esser, 21.11.2007

Was tut ein ordentlicher Theologieprofessor, wenn er über den Hl. Geist predigen soll? Er schaut zunächst einmal in seinen Lehrbüchern nach. Und dort findet er eine Menge Lehr-Reiches: z.B., dass Glaubenssätze über den Hl. Geist nicht zu trennen sind von den Aussagen über Christus. Und dass schließlich all dieses Nachdenken einmündet in die Lehre vom Drei-Einen Gott. Eine übersehbare Flut von Büchern ist zu diesem ganzen schwierigen Fragenkomplex in Laufe der Jahrhunderte entstanden.

Aber ich habe dann meine Lehrbücher zugeklappt und mir gesagt: Ohne Zweifel ist das alles richtig, was da gedacht und formuliert wurde, und es ist notwendig, dass wir uns " um der Redlichkeit unseres Glaubens willen - solche Gedanken machen. Aber kann man so über den Hl. Geist predigen? "Atem Gottes, Heiliger Geist", ist das Thema. Und "Atem", das ist etwas anders als theologisch-abstraktes Denken! "Atem" hat etwas mit Leben und Lebendigkeit zu tun. Oder anders gesagt: Vom Hl. Geist, diesem "Atem Gottes", der Leben schafft, kann man nur glaubhaft und überzeugend reden, wenn man ihn als Leben-Schaffender erfahren hat! Denken Sie an den Pfingstbericht der Apg.: Die Jüngerinnen und Jünger des gekreuzigten Jesus hatten sich hinter verschlossenen Türen verkrochen. Sie hatten Angst vor Anfeindung und Verfolgung. Ihnen ging vielleicht noch die Diskussion der Magd mit Petrus im Hof des hohepriesterlichen Palastes nach. Jesus hatte man nach seiner Gefangennahme dorthin gebracht und Petrus war ihm nachgeschlichen: "Du bist doch auch einer von seinen Jüngern, ich habe Dich doch mit ihm zusammen gesehen!" Und dem armen Petrus fiel vor Schreck, salopp gesagt, das Herz in die Hose. "Ich kenne diesen Menschen nicht!" war seine abwehrende Reaktion. So ging es allen! Nur Johannes und einige Frauen waren geblieben. Alle anderen hatten sich verkrochen. "Bist nicht auch du einer/eine von ihnen?" Da taucht man doch lieber erst einmal ab, wartet, bis der Sturm vorüber ist. "

Und dann kam der Geist Gottes. Wie Feuer kam er auf sie herab. Eine gewaltige, unwiderstehliche Macht, die die Ketten der Angst zerriss, die die Herzen der Jünger gefangen hielt, eine Macht, die ihre Sprachlosigkeit hinwegfegte, so sehr, dass die rasch zusammen strömenden Menschen, die aus den unterschiedlichsten Regionen des Römischen Reiches kamen, sie in ihrer je eigenen Muttersprache reden hörten. Später sollten die Apostel sagen: "Wir können unmöglich schweigen von dem, was wir erfahren haben! Dass nämlich der Gekreuzigte lebt und dass der Geist Gottes uns verwandelt hat.

Aus Angsthasen wurden Zeugen des Evangeliums, die selbst Verfolgung und Martyrium nicht scheuten.

"Atem Gottes, Heiliger Geist!" Leben-Schaffer, Lebendig-Macher! Heiliger Geist, für den kein Beton zu dick und leine Mauer zu undurchdringlich ist, dass er sie nicht aufsprengen könnte, damit das Leben eine Chance hat, Gottes Leben, Gottes Liebe.

Und ist es nicht auch so: Wer einmal eine solche Erfahrung dieser Lebenskraft Gottes gemacht hat, deren/dessen Sehnsucht wird täglich wachsen, vielleicht bis an die Schmerzgrenze wachsen, weil sie/er sich so sehr wünscht, dass sich eine solche Erfahrung wiederholt im eigenen Leben und im Leben der Kirche.

Denn mit dem Gottesgeistes ist es wie mit der Liebe: Ist man einmal in Brand gesteckt, dann durchglüht es einen ganz. Und dann will man anderen mitteilen von diesem Geschenk. Das kann man nicht für sich behalten. Mit der Liebe ist es so und mit dem Geist ebenfalls.

In frommen Liedern und Gebeten haben geistbeschenkte und liebende Menschen immer wieder versucht dies in Worte zu fassen, wobei solche Worte nur bruchstückhaft die Wirklichkeit des Geistes ausdrücken können. So heißt es z.B. In der 4. Strophe von: "Der Geist des Herrn erfüllt das All""; "Der Geist des Herrn durchweht die Welt, gewaltig und unbändig". "Unbändig"! Machen wir uns eigentlich klar, was das heißt: "unbändig"? Der Geist ist ungebunden, heißt das, frei, er lässt sich nicht binden, nicht anketten, von nichts und niemandem behindern, auch von einer noch so frommen Institution nicht. Mir persönlich wäre deshalb auch das Bild des Adlers als Symbol der Freiheit Gottes lieber als das der gurrenden Taube, obwohl ich natürlich auch um die Symbolkraft dieses Bildes Aber es ist mir viel zu harmlos für die Kraft und die Ungebundenheit, die mit dem Geist Gottes ausgedrückt wird. Er weht wo er will! Wir dürfen nicht meinen, ihn in einen goldenen Käfig einsperren und damit besitzen zu können. Wir würden versuchen, aus ihm letztlich eine flügelgestutzte lahme Ente zu machen, die sich von uns dressieren, zu einem Befehlsempfänger degradieren ließe oder aber verkümmerte. Das wäre eine Behinderung des Evangeliums, ja, letztlich eine Gotteslästerung.

Dass sich der Hl. Geist aber nie gängeln und anketten ließ, zeigt eine Geschichte aus dem Buch Numeri. Da wird von 70 Verantwortlichen berichtet, die aus der Schar der Israeliten ausgewählt wurden, um zusammen mit Mose zusammen das Volk zu führen sollten. Und gewissermaßen als göttliche Legitimation für ihren Dienst empfingen sie den Heiligen Geist. Soweit so gut, wenn da nicht noch zwei andere gewesen wären, die nicht zu der offiziellen Amtseinsetzung erschienen waren, auf die aber auch Gottes Geist herabkam. Völlig unerwartet für Josua, den Weggefährten des Mose. Es kann nicht sein, was nicht sein darf! "Hindere sie daran!" fordert er deshalb Mose auf. Aber dieser ist nicht bereit, den Hl. Geist auszubremsen (vgl. Num 11).

Der Geist weht eben wo er will und wann er will. Und je mehr wir versuchen, ihn ausschließlich für uns reservieren zu wollen, desto mehr wird er die Freiheit suchen. Denn ihm geht es allein darum, dass Leben möglich wird. Und er wird dort helfend, heilend und stärkend präsent sein, wo Menschen dem Leben dienen. Und umgekehrt? Aber diesen Gedanken weiterzudenken überlasse ich Ihrer Phantasie"

"Atem Gottes, Heilger Geist!" Was für die Schöpfung, die Welt, die Kirche gilt, das gilt für uns alle, für jede/jeden für uns. Eine Berufung zur Christusnachfolge im geistlichen Dienst ist nur möglich durch und mit dem Geist. Eine Berufung zum Zeugnis als Christin und Christ, dort, wo Gott uns hinstellt in unserem ganz alltäglichen Leben, ist nur möglich durch den, der uns die Worte eingibt, die wir sagen sollen, und die Taten nennt, die unsere Worte glaubbar machen können.

Das kann freilich für unser kleines Leben Veränderung bedeuten, neuer Anfang und damit Abschied von Gewohntem und Liebgewonnenem. Aufbruch in ein neues, unbekanntes Land. Viele Fragezeichen, viel Unsicherheit können auf uns zukommen, für uns manchmal so schwierig, da wir uns doch so gerne versichern wollen für unser Leben und auch für unseren Glauben. Brauchen wir nicht Glaubenssicherheit und manchmal auch "religiöse Kuschelecken"? Die soll sicher niemandem genommen werden. Aber wir müssen auch wissen und akzeptieren, dass Christsein kein Sonntagsspaziergang ist und sich brav, bieder und fromm im geschlossenen warmen Raum unserer Kirchen erschöpft. Unser Gottesdienst hat nach dem "Gehet hin in Frieden" noch einen 2. Teil, jenseits der Kirchentür, dort, wo andere Regeln gelten, wie wir nur allzu genau wissen. Heute mehr denn je braucht es deshalb Mut, loszulassen und dem Geist zu vertrauen, der unser Dunkel und unsere Angst nehmen und uns Kraft und neuen Weitblick geben will.

Haben wir diesen Mut, uns auf ihn einzulassen, diesen "Unruhestifter Gottes", wenn er in unser Leben einbricht und uns ins engagierte Christsein ruft "?

diesen Text als .pdf
herunterladen...

 


Atem Gottes " Heiliger Geist

Spiritual Ralf Staymann, 28.11.2007
Predigttext: Gen 2,4b-7; Joh 20,19-23

Liebe Schwestern und Brüder,
wir tun es in der Regel, ohne viel darüber nachzudenken.
Es gehört zu unserem Leben einfach dazu.
Es ist eine Gewohnheit, die lebenswichtig ist " und das Leben begleitet " jedes Leben auf dieser Erde.
Nur wenn es Probleme gibt, wenn die Luft dünner oder dicker wird, dann spüren wir unseren Atem:
das ein " und ausatmen " immer wieder " ein und aus " durch die Nase oder den Mund in die Lunge,
von dort aus in meinen ganzen Körper,
bis in die Zehen " und Fingerspitzen "
mitten ins Herz und bis ins Gehirn,
unter die Haut und tief in den Bauch "
ich atme " ruhig " ein und aus "
der Atem ist die Quelle und der Anfang unseres Lebens "
für den Körper und für die Seele "
der Atem ist ein Geschenk "
ein Geschenk zum Leben " dieses Geschenk habe ich vom Schöpfer empfangen " und empfange es immer wieder neu.
Immer wieder atmen wir " beim Sprechen und Lachen " beim Weinen und Singen " beim Essen und Arbeiten " sogar beim Schlafen:
15 " 18 mal pro Minute " die Kinder etwas öfter.
Es tut gut, wenn ich tief durchatmen kann, dann fühle ich mich frei " dann tanke ich auf " der Atem ist die Quelle für mein Leben.
Ich spüre den Fluss des Lebens in meinem Atem.
Ich spüre aber auch, wenn dieser Fluss ins Stocken gerät, wenn mir der Atem genommen wird, wenn ich atemlos werde.
Gehetzt und eilig lebe ich und weiss doch, dass ich weder den Atem noch die Zeit anhalten kann.
Und doch sprechen wir von der Atempause " die Auszeit für Leib und Seele " oder wir halten den Atem an, wenn es aufregend oder bedroh-lich wird.
Der Atem gehört zu meinem Leben " Atmen ist Leben.
Atmen ist das erste Lebenszeichen eines Neugeborenen " Atemstill-stand das Anzeichen für den nahenden Tod.
Mir kommt ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe in den Sinn:
Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einzuziehen,
sich ihrer Entladen,
Jenes bedrängt,
dieses erfrischt,
so wunderbar
ist das Leben gemischt.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete, singen wir im Lied "Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr" von Huub Osterhuis.
Ruach " pneuma " spiritus " die Bibel kennt für Geist und Atem nur ein Wort " Gottes Geist und Atem machen den Menschen lebendig " das bezeugt uns schon die Schöpfungsgeschichte mit dem zweiten Schöp-fungsbericht.
Der Schöpfer blies den Lebensatem in den Menschen hinein.
Er erhält durch Gott den "kiss of life", wie es die englisch sprechenden Menschen ausdrücken würden: den Lebenskuss.
Aus den Märchen ist uns diese Symbolik ebenfalls nicht unbekannt: da werden Menschen wach geküsst " lebendig geküsst.
Mit den alten Liedern des ersten Testamentes " in den Psalmen " sin-gen wir:
Nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde. Sendest du deinen Atem " deinen Geist aus " so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde.
Atem Gottes " bedeutet Erneuerung und Verwandlung " Bewegung " Dynamik " also: LEBEN.
Der Atem Jesu, der seine Jüngerinnen und Jünger nach Ostern an-haucht " macht sie zu neuen Menschen, zu verwandelten, zu bewegten, zu österlichen Menschen: Empfangt den Heiligen Geist.
Neue Schöpfung kündet sich an.
Das Ganze ist kein Automatismus:
die Menschen erhalten durch Gott den Lebensatem " den Lebenskuss " dann werden sie wie Erdmännchen ins Paradies gesetzt " aber sie sind undankbar und böse " müssen immer wieder um ihr Heil kämpfen " bis ihnen fast der Atem zum Leben ausgeht " und dann kommt der Befreier Jesus, der ihnen nun auf ewig den Atem Gottes einhaucht.
Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr " dieses Lied widersetzt sich je-dem Automatismus " zunächst einmal ist Gott nicht greifbar.
Unsere Hände sind leer " der Schöpfergott bleibt Geheimnis " er bleibt uns fremd " und doch so nah " wir stellen unsere großen Lebensfragen und die Menschen werden sie immer wieder neu stellen:
Bist du der, der Zukunft uns verheißt " Zweifel sind uns nicht fremd " wir sind auf sein Wort angewiesen " er wird unser Lebensatem, wenn wir zu ihm beten.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete " dichtet Osterhuis in der letzten Liedstrophe.
Der Atem Gottes " der uns eingehauchte Lebensatem " kann sich dann entfalten, wenn wir uns auf eine lebendige Beziehung zu Gott einlassen " der Heilige Geist " der Atem Gottes " entfaltet seine ganze Lebendig-keit nicht allein aus sich heraus, sondern immer im Zusammenspiel mit uns Menschen.
Nicht unüberlegt werden alle Sakramente unserer Kirche mit der Bitte um den Geist Gottes " um seinen Lebensatem " gespendet.
Das gibt den Sakramenten eine Lebendigkeit, die von uns gefüllt werden kann " gelebt werden muss.
Jedes Sakrament ist ein neuer Lebensatem Gottes " ein erfrischender kiss of life in eine bestimmte, in meine Lebenssituation hinein, die durch Dankbarkeit, aber auch Schwäche oder Schuld gekennzeichnet sein kann.
Die Schöpfungserzählung und die Auferstehungsevangelien, auch unser heutiges Evangelium, sind keine Tatsachenberichte " es sind Glaubens-bekenntnisse "
sie bezeugen den Glauben an einen Gott, der uns nicht als leblose Ges-talt aus Staub und Erde will, sondern als Lebewesen " bis zuletzt " und der uns deshalb über den Tod hinaus belebt " im verklärten Leib der Auferstehung auf ewig.
Der Atem Gottes " der Heilige Geist " will in uns atmen " unaufhörlich " ein " und aus " immer wieder " jeden Tag und jede Minute.
Mit einem Gebet des Hl. Augustinus erspüren wir die damit ersehnte Verwandlung:
Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke,
Treibe mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue,
Locke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe,
Stärke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüte
Hüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere.

diesen Text als .pdf
herunterladen...

 

Heiliger Geist - Muttergeist

Direktorin
Henriette Crüwell, 5.12.2007
Predigttext: SprW 8,1-4; 14-35; Joh 14, 15-26

Es führt kein Weg zurück ins Paradies. Es gibt kein Zurück in den Schoß der Mutter! Dorthin, an jenen Ort, an dem wir zutiefst in einem anderen Menschen geborgen waren und von dem wir unsere unstillbare Sehnsucht nach Ganzsein und Einssein mitgebracht haben. Unbewusst sehnen wir Menschen uns wohl alle an diesen heilen Ort, in diesen Mutterleib, zurück, auch wenn oder gerade weil unsere Erfahrungen mit unseren biologischen Müttern oft nicht ungebrochen sind. Dieses Streben ist nicht erst eine Erfindung der Psychoanalyse. Das ist Kaffeesatz menschlicher Erfahrung: der Ruf "Mama" ist der Ruf der Sehnsucht nach Trost und Geborgenheit schlechthin - nicht nur der kleinen Kinder, sondern auch der der Leidenden und Sterbenden. Und unsere Sprache, die wir alltäglich verwenden, ist da geradezu verräterisch. Sehnsucht wird "gestillt", sagen wir. Gestillt wie der Säugling, das neugeborene Kind, an der Brust der Mutter. Und das Hebräische, die Sprache der Bibel, führt uns sogar noch darüber hinaus: Mit Rachmim, mit Erbarmen, wendet sich Gott, so die Bibel, den Menschen zu, besonders denen, die sich in Schuld verstrickt haben, denen, die vor Angst nicht mehr ein noch aus wissen, denen, die trauern und leiden. Und immer wieder aufs Neue flehen Menschen um das Erbarmen Gottes. Dieser Ruf zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Es ist dort der Ruf der Sehnsucht nach Gott. Und das Wort Rachmim, Erbarmen, kommt von Rachem und das heißt nichts anderes als Mutterschoß, Gebärmutter. Der Ruf um Erbarmen ist, wenn wir so wollen, der Ruf nach der göttlichen Mama. Und so finden sich dann auch in den biblischen Schriften tatsächlich, wenn auch sehr versteckt, Passagen, in denen Gott als Mutter gepriesen wird: als Mutter, an deren Hand Israel laufen lernt, als Glucke, die sich um ihre Küken sorgt. Aber trotz dieses starken biblischen Bildes des göttlichen Mutterleibes blieb dieser Zugang zu Gott jahrhunderte lang eher unterbelichtet. Vielleicht war das ja sogar notwendig in der Abgrenzung zu den Naturreligionen, die die große Muttergöttin verehrten. Aber der jüdisch-christlichen Tradition ist darin ein wichtiger Zugang zu Gott verschüttet gegangen. Gott ist in unserer Tradition "der Herr", "der König der Herrlichkeit", "der Vater" und "der Sohn". Und die in der Regel fast schon kläglichen Versuche, weibliche Gottesanreden in Sprache der Kirche aufzunehmen, zeigen, wie tief diese männlichen Gottesbilder in unserer religiöse Sprache verwurzelt sind. Aber die menschliche Sehnsucht nach der Mutter, dem Mutterleib bleibt. Aber dabei ist gerade diese Sehnsucht nach Ganzsein und Heil eine Sehnsucht, die im Letzten nur von Gott allein beantwortet werden kann. Diese traditionellen Gottesvorstellungen jedoch vermögen sie nicht wirklich stillen. So wurde schon früh in der Kirchengeschichte von Frauen wie Männern der Versuch unternommen, den dritten im Dreieinen Gott als weibliche Gestalt auszumachen. Und sie knüpfen darin auch an eine alte jüdische Tradition. Denn der Geist Gottes ist in der Hebräischen Bibel, die Ruach, die als Lebenskraft die ganze Schöpfung Gottes durchweht und alles mit Gottes Segen erfüllt. Ich werde nie die Vorlesung, gleich im ersten Semester meines Theologiestudiums, vergessen, in der ich davon das erste Mal gehört habe. Das war für mich eine beflügelnde Entdeckung. Nach der Vorlesung bin ich auch sofort nach vorne gestürzt, um mir von dem Professor diese Erkenntnis, die er in einer bloßen Nebenbemerkung zum Besten gegeben hatte, noch mal bestätigen zu lassen. "Ja, Frau Crüwell, wissen Sie das denn nicht?" antwortete mir darauf der kleine dicke Professor, der auch gerne mal von gestandenen Professorinnen als "das Mädchen" sprach. "Darauf reiten die feministischen Theologinnen doch schon seit Jahren rum." "Aber ich bin doch keine feministische Theologin", wehrte ich fast etwas beschämt ab, denn mit diesem Begriff verband ich bis dahin hennafarbene Kampfemanzen, "Na", sagte daraufhin der Professor lachend im Weggehen, "was noch nicht ist, kann ja noch werden." Er hat in den darauf folgenden Jahren seine prophetischen Worte noch manches Mal bitter bereut... Mich hat diese Entdeckung nicht mehr losgelassen. Und ich würde sagen, sie prägt mein theologisches Nachdenken bis heute. Die Entdeckung der Ruach hat mir nicht nur eine neue Beziehung zu Gott eröffnet, sondern mir auch einen neuen Blick auf mich und mein Leben eröffnet. Ich kann meine Erfahrungen, die ich gerade als Frau gemacht habe und mache, ganz besonders das Schwangersein und das Gebären, aber auch jedes schöpferische Tun als Nachahmen dieser Ruach Gottes, als imitatio dei also, verstehen.

Schon der Kirchenvater Irenäus von Lyon, der im 2. Jahrhundert lebte, hat an eine andere jüdische Tradition angeknüpft, wenn er den Heiligen Geist mit der Sophia der biblischen Weisheitsliteratur identifziert. Es ist die Frau Weisheit, von der wir heute in der Lesung gehört haben, die alle Sehnsuchtsmenschen zu sich nach Hause einlädt, die allen mit Rat und Hilfe beisteht und deren Freude es ist, bei den Menschen zu sein. Durch die alles, die ganze Schöpfung erschaffen. Und die in allen Menschen wirkt, die ihrerseits schöpferisch tätig sind.

Der Geist ist unsere göttliche Trösterin, so haben wir im heutigen Evangelium gehört.

Unsere Trösterin, die bei uns bleibt, die uns in unserer Trauer und Angst nicht einsam und allein lässt. Die uns großzieht und uns Christus erkennen lässt, damit wir immer heiler werden und immer tiefer in die Gemeinschaft mit Gott gelangen können, die die Erfüllung unserer Sehnsucht ist. Ein anderer Theologe der Alten Kirche, Makarios, Bischof von Jerusalem, beschreibt daher den Geist, ganz im Sinne unserer bisherigen Gedanken, als sorgende und nährende Mutter:

"Das Kind beruhigt sich erst, "so schreibt er, "wenn die Mutter es an die Brust nimmt und lässt sich durch kein Gold und kein Silber beschwichtigen. Diese Ordnung ist in die ganze Natur gelegt, dass die Mütter ihre Kinder großziehen und diese nach ihnen hinstreben: die Lämmer springen eilig herzu, wenn sie die Mutterschafe blöken hören und unermüdlich fliegen die Schwalben mit neuem Futter ins Nest. So können die Seelen in der Welt keine Werke des Lebens verrichten, bis die Mutter im Himmel, der Heilige Geist, ihr Rufen hört, sie mit himmlischer Nahrung versorgt, und sie dann in Erfahrung und Erkenntnis wachsen und großwerden."

Sicher. Auch dieses Bild hat wie jedes Bild seine Grenzen und Sackgassen. Und wenn daraus dann bei den Pietisten eine Familientrinität entwickelt wird, dann werden die Geschlechterrollen der menschlichen Gemeinschaft schnell auch auf die der göttlichen Einheit übertragen und theologisch überhöht. Und der Muttergeist wird dem Vater und dem Sohn untergeordnet. Eine solche Trinitätstheologie führt ihrereseits wieder dazu die menschlichen Geschlechterrollen festzuschreiben und Frauen ausschließlich auf ihr Muttersein, aufs Hegen und Pflegen festzulegen. Da ist es dann gut, wenn wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass die Ruach in ihrer Ursprungsbedeutung Wind, Sturm und Bewegung bedeutet.

Das Bild, das Ihr in den Händen haltet zeigt ein Fresko, das sich in der Kirche St. Jakobus in Urschalling im Chiemgau befindet. Es sind drei Gestalten darauf abgebildet: Ein alter weißhaariger Mann, ein bärtiger Mann mittleren Alters und eine junge Gestalt in der Mitte, die von den beiden Männern umarmt und gehalten wird. Es ist ein Fresko der Trinität. Und die langen offenen Haare, die weichen Gesichtszüge, die leicht seitlich geneigte Kopfhaltung und schließlich der vergleichweise tiefe Halsausschnitt und der unter der Brust ansetzenden Faltenwurf des Gewandes lassen die Gestalt in der Mitte als Frau erkennen. Alle drei sind von einem weißen Mantel umgeben, der unterhalb der Frauengestalt Falten wirft, so dass das rote Innenfutter zu sehen ist. Dieser Faltenwurf erinnert an die ornamentalen Darstellungen des Mutterschoßes auf den Amuletten bayerischer Trachten. Wir und die ganze Schöpfung sind also von Gott erschaffen, wir stammen aus dem göttlichen Mutterschoß, und sind als Christen und Christinnen aus dem Geist, der göttlichen Mutter, neu geboren. Unsere Sehnsucht nach dem Ganzsein, dem Heil und der Geborgenheit des Mutterschoßes findet in Gott seine Erfüllung. " Bei ihr sind wir geborgen still wie ein Kind, bei ihr ist Trost und Heil."

Amen

diesen Text als .pdf
herunterladen...

 


Dem Geist langen Atem geben

Andreas Krebs, 12.12.2007
Predigttexte: Jes. 40, 25-31; Ps. 103, 1-6

Was bedeutet es, sich vom Atem des Geistes ergreifen, sich anstecken, sich entflammen zu lassen? Was bedeutet es vor allem über die erste Begeisterung hinaus? Wie können wir dem Geist "langen Atem" geben? Und das in unserer Zeit, in unserer säkularen Kultur, die für diese Art von des Begeistert-Seins nur wenig Verständnis hat?

Der "Geist der Zeit" jedenfalls macht sich da oft als Gegenwind bemerkbar. In den Adventswochen kann das besonders deutlich werden. Die geistliche Dimension dieser Tage ist kaum noch jemandem bewusst, die Religion dient als Begleitmusik, bestenfalls. In den Zeitungen war jetzt manchmal von einer "Wiederkehr der Religion" die Rede, aber die ist wohl eher eine oberflächliche Erscheinung. Wir müssen uns eingestehen, dass das Christentum in eine schwere und nicht bloß vorübergehende Krise geraten ist. In den Kirchen macht sich entsprechend eine Stimmung des Rückzugs, auch der Abwehr breit; man pflegt die Geborgenheit im kleinen Kreis, auch Abgrenzungen nach außen werden wieder wichtiger. Wie geist-gemäß ist das? Wird so für uns, wird so für die Kirche der Atem des Geistes zu einer tragenden Kraft?

Gerade in der heutigen Krisensituation können die Worte aus dem Ersten Testament, die wir eben gehört haben, sehr lebendig zu uns reden. Es sind Worte, die in eine schwere Krise des israelitischen Gottesvolkes hineingesprochen sind. In den Jahren 597 und 587 v. Chr. wird die Stadt Jerusalem geplündert, der Tempel entweiht, die politische Führungsschicht deportiert. Diese schrecklichen Ereignisse und die anschließende Zeit des babylonischen Exils hatten eine tiefe religiöse Krise zur Folge: Hat Gott diesem Volk nicht seinen Schutz zugesagt? Hat er es nicht zu seinem Volk erklärt? Und wenn dieses Volk sich als unterlegen erweist " ist dann nicht auch sein Gott besiegt? Muss Gott sich geschlagen geben?

Es sind Fragen, die dem Vertrauen auf Gott jeglichen Grund und Boden zu entziehen scheinen. Doch der Prophet reagiert auf diese grundstürzenden Zweifel mit einer großartigen Schau: "Hebt eure Augen in die Höhe und seht: Wer hat die Sterne dort oben erschaffen? Israel, warum sprichst du: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, meinem Gott entgeht mein Recht? Weißt du es nicht, hörst du es nicht? Der Herr ist ein ewiger Gott, der die weite Erde erschuf, unergründlich ist seine Einsicht." Gott ist der Schöpfer aller Dinge, er hält Welt und Zeit in seiner Hand; deswegen können wir auch in dem, was sich menschlich als Schwäche, Niederlage, Scheitern darstellt, auf seine Nähe vertrauen. Er, der alles, wirklich alles vermag, wird die Niederlage in einen Neuanfang verwandeln.

Das babylonische Exil ist für das jüdische wie für das christliche Gottesvolk zum zentralen Erinnerungsbild einer existenzbedrohenden Krise geworden. In bewusstem Rückgriff auf dieses Erinnerungsbild sprechen manche Theologinnen und Theologen von der heutigen Kirche als "Kirche im Exil". "Kirche im Exil", das ist eine Kirche, die sich in vielen großen Hoffnungen als gescheitert erlebt. Eine Kirche, die nicht mehr ohne weiteres verstanden wird, die um ihre Sprache ringen muss. Eine Kirche, deren gewohnte Wege nicht mehr weiterführen. Es ist nur zu verständlich, dass viele darauf erst recht mit ängstlichem Konservatismus reagieren, mit dem Rückzug auf scheinbar Bewährtes, mit starrem Festhalten an dem, was zu entgleiten droht. Gegen diese nur zu verständliche Reaktion stehen der Mut und die Weite, die in den Worten des Propheten spürbar werden. In einer gleichsam weltumarmenden Geste werden ihm die Höhe des Himmels und die Weite der Erde zu Orten einer Geisterfahrung, die Gottes Größe spürbar macht; und gerade dieser Geist ist es, der das schwache, bedrängte Gottesvolk mit neuer Hoffnung beseelt.

"Die aber, die dem Herrn vertrauen, sie bekommen Flügel wie Adler", so hieß es zum Abschluss der Lesung. Der Psalm des heutigen Tages greift einen ähnlichen Vergleich auf: "Wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert." Das klingt zunächst ein wenig rätselhaft. Von dem Exegeten Ernst Zenger habe ich gelernt, dass der Psalm hier wahrscheinlich nicht, wie es in der Einheitsübersetzung heißt, an den Adler denkt, sondern an den Geier. Am Boden bewegt sich der Geier nicht sehr elegant; er wankt schwerfällig, als wäre er alt und gebrechlich, am Boden dahin. Aber wenn der Augenblick günstig ist, kann er in heißeren Regionen den Auftrieb der Luft ausnutzen: Urplötzlich, scheinbar ohne jede Anstrengung, breitet er seine weiten Schwingen aus und schraubt sich in schwindelerregende Höhen.

Dem Geist "langen Atem" geben, das bedeutet für jeden einzelnen von uns " und das bedeutet auch für die Kirche ", immer wieder Zeiten auszuhalten, in denen wir, wie der Geier, schwerfällig, plump, uninspiriert, ratlos unserer Wege gehen. Doch plötzlich, ganz unerwartet, kann uns der Geist packen und zu neuen Höhenflügen emporreißen. Und so wünsche ich uns das Vertrauen, dass der Geist Gottes uns und seiner Kirche immer wieder "neuen Auftrieb" und neue Anfänge schenkt.

diesen Text als .pdf
herunterladen...

     


Podcasting bezeichnet das Produzieren und Anbieten von Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kofferwort setzt sich aus den beiden Wörtern iPod und Broadcasting zusammen.[1] Ein einzelner Podcast (deutsch: ein Hörstück, genauer Hördatei oder Bewegtbilddatei) ist somit eine Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können.
Man kann Podcasts als Radio- oder Fernsehsendungen auffassen, die sich unabhängig von Sendezeiten konsumieren lassen.
Podcasting wäre so als Teilbereich von Video/Audio-on-Demand zu betrachten. Jedoch stehen letztere Begriffe eher für kostenpflichtige und durchsuchbare Dienste, während "Sender" (im Jargon "Feeds" genannt) Podcasts in aller Regel kostenlos und in einer vom Konsumenten ausgewählten Menge nach und nach in neuen Folgen anbieten.


Predigten aus dem alt-katholischen Bistum in Deutschland

"Das klingt aber verstaubt und antiquiert!" rümpfen viele die Nase, wenn sie zum ersten Mal von der "alt"-katholischen Kirche hören. Der Begriff "alt" ist heute nicht mehr positiv besetzt. Er klingt nach altmodisch, altbacken, überholt und restriktiv. Die Wirklichkeit der alt-katholischen Kirche und die Intention ihres Namens ist jedoch eine andere: Es ist gerade ihr Anliegen, das Evangelium Jesu Christi den Menschen ihrer Zeit nahe zubringen - in einer zeitgemäßen Sprache und Gemeindeorganisation. Die altkatholische Kirche ist eine katholische Kirche, die von Rom unabhängig ist. Sie entstand im Anschluss an das Erste Vatikanische Konzil (1870). Die katholischen Christen, die die Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils nicht annahmen, wurden von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert und gründeten in der Folge eigene Gemeinden und bischöflich-synodal verfasste Kirchen, an deren Spitze die Synode und ein Bischof steht. Für das katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland ist das Bischof Joachim Vobbe, der zusammen mit einer von der Synode gewählten Synodalvertretung das Bistum leitet.

Sankt Cyprian ist die alt-katholische Gemeinde in Bonn. Wirklich "alt" sind in der Gemeinde aber nur wenige. Von den 600 Gemeindemitgliedern sind über die Hälfte unter 45. Die Leiterin der Gemeinde ist Pfr. Henriette Crüwell. Als weitere Seelsorger sind Ralph Kirscht, (Geistlicher im Nebenamt) sowie Stefan Kandels (Diakon) in der Gemeinde tätig.

Dies ist die direkte Adresse zu unserem RSS-Feed:

http://www.doellingerhaus.de/podcast/akpredigten.xml
benutzen Sie diese Adresse zum einfügen in Ihren podcatcher

klicken Sie hier, wenn Sie iTunes verwenden
iTunes ist eine für Windows und Mac verwendbare Software...

Impressum nach §6 TDG (Teledienstegesetz)

Alt-katholisches Studentenwohneim
Döllingerhaus
Baumschulallee 9-13
53115 Bonn

Direktor: Joachim Vobbe
E-Mail

 

Anfahrt: